Warum bekommen Frauen in Afrika so viele Kinder ?

Verhütung.
Nach wie vor haben etwa 215 Millionen Frauen in Entwicklungsländern keinen Zugang zu modernen Verhütungsmitteln. Gerade in ländlichen Regionen sind Dienste der Familienplanung nur schwer oder gar nicht zugänglich. In einigen Regionen Afrikas bekommen Frauen mehr Kinder, als irgendwo sonst auf der Welt, zum Beispiel im Niger (7,9 Kinder). Oft entscheidet alleine der Mann über die Familienplanung.

Anerkennung
Der Druck auf kinderlose Frauen ist nirgends größer als in Afrika. Besonders auf dem Land sehen viele Afrikaner eine hohe Kinderzahl als Zeichen von Reichtum. Frauen sind oft rechtlos und erlangen ihren Status häufig erst dadurch, dass sie einen Sohn geboren haben. Frauen welche nur Mädchen zur Welt gebracht haben werden oft von der eigenen Familie verstoßen und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen.

Altersvorsorge
Es gibt kein soziales Auffangbecken (Frauenhäuser, Altersheime, …) wie wir es in Europa gewöhnt sind. Kinderreichtum ist daher eine Altersversorgung, weil sich die heranwachsenden Kinder später um ihre Eltern kümmern müssen, wenn diese zu alt sind um sich selbst zu versorgen. Die allgemeine Sterblichkeitsrate ist so hoch, dass manche Mütter die 10 oder mehr Kinder auf die Welt gebracht haben froh sind, wenn 3-4 von ihnen überleben.

Bildung
Es gibt keine Sozialversicherungen und wenig bis keine Schulbildung. Mehr als 40 Prozent der Frauen in Afrika haben keine Grundschule besucht. Viele von ihnen sind Analphabeten. Sie können sich also nicht einmal das vorhandene Wissen anlesen. Der Bildungsgrad wirkt sich wiederum stark auf die Fertilität junger Frauen aus: Je länger sie die Schule und weiterführende Bildungseinrichtungen besuchen, desto später und desto weniger Kinder bekommen sie. So bekommen Frauen in Kenia, die nie die Schule besucht haben, im Durchschnitt 6,7 Kinder. Frauen, die dort die Grundschule abgeschlossen haben, bekommen dagegen 5,2 und Frauen mit höherer Schulbildung nur 3,1 Kinder.

! Im Mittelalter und früher Neuzeit brachte jede Frau in Westeuropa durchschnittlich etwa sechs Kinder lebend zur Welt. 1875 brachte jede Frau noch fast fünf Kinder zur Welt. Die Geburtenrate vor 1914 bewegte sich noch immer bei vier Kindern. „Auch in Kriegszeiten wo es den Menschen sehr schlecht ging kamen in Europa viele Kinder zur Welt!“ Durch immer größer werdenden Wohlstand liegt die Geburtenrate in den europäischen Ländern heute bei ca. 1,5.

Religion
In Ländern wie z.B. Uganda, wo die Religion großen Einfluss auf die Politik nimmt, ist der eingeschränkte Zugang zu Verhütungsmitteln auch auf den Widerstand von religiösen und kulturellen Führern zurückzuführen.

Kinderehen
Eine weitere Hauptursache für frühe und häufige Schwangerschaften sind Kinderehen. Obwohl immer mehr Regierungen Gesetze dagegen erlassen, werden in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich 100 Millionen Mädchen verheiratet, bevor sie achtzehn Jahre alt sind. Häufig werden sie schon im Teenageralter schwanger. Insgesamt gibt es jährlich etwa 14 Millionen Teenagerschwangerschaften – die meisten von ihnen in Entwicklungsländern.

Vergewaltigung
In vielen Teilen des Landes sind Vergewaltigungen gesellschaftlich akzeptiert. Im Durchschnitt wurde jede fünfte Frau schon einmal vergewaltigt, wobei 90 Prozent der Straftäter nicht verurteilt werden. Auch in der eigenen Familie wird sexuelle Gewalt oft toleriert und als „normal“ empfunden.

Eine Studie hatte gezeigt, dass sexuelle Gewalt auch unter Schülern des Landes ein Massenphänomen ist. Der Untersuchung zufolge sind 40 Prozent aller Schüler unter 18 Jahren mindestens einmal vergewaltigt worden.
Südafrika hat die höchste Vergewaltigungsrate weltweit.

Quellen:
www.medicamondiale.org – www.welt.de – www.bpb.de – www.welthungerhilfe.de – www.spiegel.de – www.berlin-institut.org – www.wirtschaftundschule.de – www.oif.ac.at